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Paulus und die Missionale

Am 22. August 2008 hielt Monsignore Stefan Heße aus dem Erzbistum Köln unter dem Leitgedanken "Paulus auf dem Areopag" ein hörenswertes geistliches Wort im WDR-Rundfunkprogramm. Dabei erfolgte auch ein Ausblick auf die Missionale in Düsseldorf. Der Text lautet ...

 

 

Mitte der 90er Jahre lief in den Kinos der dramatische Agententhriller Mission impossible - unmögliche Mission. Und noch vor wenigen Jahren war es in den großen Kirchen geradezu unmöglich, das Wort Mission überhaupt nur in den Mund zu nehmen. Das erinnere doch zu sehr an die mit Gewalt und Ausbeutung verbundenen Missionierungen vergangener Zeiten. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Heute ist uns klar: Ein Christ ist immer missionarisch oder er ist kein Christ! Jeder ist gesandt, den Glauben in Wort und Tat weiterzusagen, in einen Dialog mit anderen einzutreten - unabhängig davon, wie deren Antwort ausfällt.

 

Paulus ist ein Intellektueller seiner Zeit, Schriftsteller, Theologe, gläubiger Christ und vor allem Missionar. Gehen wir mit ihm auf eine seiner Reisen nach Athen. Paulus hält sich hier bewusst auf den Plätzen der Stadt auf. Er beobachtet die Menschen. Er hört ihnen zu. Er nimmt wahr, was sie bewegt. Er greift ihre Sprache, ihre Bilder, ihre Vorstellungen, ihre Denkkategorien auf und knüpft in seiner Verkündigung daran an. Der Apostel hat keine Begegnungsangst und ist auch nicht öffentlichkeitsscheu. Er tritt mit den Athenern in einen Dialog. Wie ein christlicher Sokrates setzt er sich auf dem Areopag mit den Philosophen von damals auseinander. Dabei beobachtet er die Fülle von heidnischen Altären und es fällt ihm einer auf mit der Aufschrift ’einem unbekannten Gott’. Paulus greift diese Inschrift sofort auf und nutzt die Gelegenheit, um den Athenern seine Botschaft von Jesus Christus zu sagen: ’Was Ihr sucht, ohne es zu kennen, das verkünde ich Euch’. Jesus Christus ist der für Euch unbekannte Gott, mit dem ich Euch bekannt machen darf.

 

Die Methode des Paulus ist bis heute aktuell. Es gibt sie immer noch - die großen Stadtmissionen in Wien oder Madrid, in Regensburg und im nächsten Jahr auch in Düsseldorf. Dabei kommt es darauf an, dorthin zu gehen, wo die Menschen leben, aber auch darauf, sie aufmerksam wahrzunehmen und kennenzulernen. Nur so ist es möglich, an ihre Lebens- und Denkgewohnheiten anzuknüpfen und zu verkünden, woran Christen glauben. Das wird sicher nicht zu flächendeckenden Massenbekehrungen führen, aber der eine oder andere wird interessiert sein, diesen unbekannten Gott näher kennen zu lernen. Aus den einzelnen kleinen Anfängen kann Großes wachsen. Das ist auch heute möglich, wenn es überzeugte und überzeugende Christen für die Botschaft Jesu gibt, Menschen, die Interesse am Menschen haben und so dialogbereit sind wie Paulus.

 

Bischof Padovese ist Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz der Türkei. Dort machen 100 000 Katholiken in einem Land von über 70 Millionen Einwohnern nur eine kleine Minderheit aus. Bischof Padovese hat die katholischen Christen davor gewarnt, sich abzuschotten, sich in's Schneckenhaus zurückzuziehen. Dabei hat er offensichtlich Paulus, ’den Mann des Dialogs’ vor Augen. Der stand unmissverständlich zu seinem Glauben und seiner Identität. Im öffentlichen Dialog kann das Christentum auch heute an Überzeugungskraft gewinnen.



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