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.Pfarrbrief verknüpft den Hl. Suitbertus mit der Missionale
Der kommende Pfarrbrief von St. Suitbertus Kaiserswerth enthält einen interessanten Artikel von Pastor Hermann-Josef Schmitz. Er stellt einen Zusammenhang zwischen dem Leben und Wirken des Heiligen Suitbertus, Missionar für Düsseldorf, und dem Anliegen der Missionale Düsseldorf 2009 her.
Nachstehend der Artikel im Wortlaut:
„ÖFFNET DIE TÜREN FÜR CHRISTUS!“ –
Von der Mission des Hl. Suitbertus zur MISSIONALE 2009 in Düsseldorf.
1. Von Pfingstmontag bis zum Fronleichnamstag, vom 1. – 11. Juni 2009, lädt die Katholische Kirche in Düsseldorf mit allen Gemeinden ein zu öffentlichen Missionstagen („MISSIONALE 2009“), in denen sie die ganze Stadt und alle Bürger – kirchliche und nichtkirchliche – unter dem Motto „Öffnet die Türen für Christus!“ herzlich bittet, sich der Botschaft Jesu Christi per-sönlich neu zu stellen.
Es ist ein sehr sinnvoller Gedanke, dazu ganz bewusst Fühlung aufzunehmen mit den tiefsten Wurzeln unseres Christus-Glaubens hierzulande: Der erste, der den christlichen Glauben bei unseren Vorfahren auf der rechten Rheinseite vor 1300 Jahren verkündete und als erster hier das Kreuz aufrichtete, war der Hl. Suitbertus, der seitdem als Apostel unserer Heimat an Rhein, Ruhr und Lippe gilt und dessen Gebeine in einem kostbaren rheinischen Schrein aus dem 13. Jh. in unserer Kaiserswerther Basilika durch die Jahrhunderten hindurch bis heute gläubige Verehrung finden. Sein Schrein soll nun während der kommenden Missionstage in der Stadt Düsseldorf für alle öffentlich im Blickpunkt stehen und so eine sichtbare Brücke schlagen von den Anfängen des christlichen Glaubens hierzulande bis in unsere Gegenwart: Ihn hat sich unsere Stadt damit bewusst zu ihrem Missions-Patron erwählt.
Was ist also angemessener, als seine Mission zu seiner Zeit jetzt im Hinblick auf unsere eigene Stadt-Mission hier und heute näher zu betrachten und seinem Fingerzeig auch unter uns zu folgen: Feuereifer und Engelsgeduld – das sind die beiden herausragenden Charakterzüge, die den Hl. Suitbertus, offensichtlich prägten und die ihm zu eigen waren. Dass heiliger Glaubenseifer das Herz des Hl. Suitbertus beseelte, liegt unverkennbar auf der Hand: Wie anders wäre Suitbertus sonst als junger angelsächsischer Mönch in der Missionsgruppe des Hl. Willibrord um 690 n. Chr. von seiner Insel im Norden aufgebrochen und hätte sich über die stürmische See zum unbekannten Festland aufgemacht, um den fremden-feindlichen Germanen hierzulande das Evangelium zu predigen?
Zu diesem Entschluß gehört ein unerschütterlicher Glaube an Christi Frohe Botschaft und Christi österlichen Auftrag an die Zwölf: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“ Dazu gehört sein fester Glaube an Christi treuen Beistand unterwegs: „Seid gewiß, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ (Mt 28, 19 f) Suitbertus war mit der Zwölfer-Gruppe seiner Missionsgefährten zutiefst von seiner Berufung überzeugt Zum Bewußtsein der persönlichen Berufung aber kam bei ihm die klare Entscheidung, die nötige Tatkraft und der erforderliche Mut, mit gläubigem Feuereifer sein ganzes Leben für das Wagnis der unberechenbaren Germanen-Mission einzusetzen – rückhaltlos und ohne Vorbehalt.
Gibt es heute unter uns noch heiligen Eifer, wenn es um die Sache Gottes und der Kirche bei uns geht? Kommt uns Glaubenseifer, ansteckende „Be-Geisterung“ in der Kirche heutzutage nicht sogar verdächtig vor? Argwöhnisch beobachten wir in der Kirche neue Geistliche Bewegungen, die zunehmend von sich reden machen: Man muß ja die Geister tatsächlich unterscheiden lernen; noch längst nicht alles, was geistbeschwingt daherkommt oder charismatisch von sich reden macht, ist auch schon vom Hl. Geist. Aber was würde denn aus unseren Kirchen und Gemeinden werden, wenn es niemanden mehr gäbe, der sich wie Suitbertus von Gott noch persönlich begeistern, mitreißen und bewegen ließe?
2. Aber sein Missionseifer war noch nicht die eigentliche Feuerprobe seines Lebens: Das nachhaltige Glaubenszeugnis des Hl. Suitbertus war vielmehr seine Geduldsprobe, die er am Ende voll Gottvertrauen durchzustehen, auszuhalten hatte.
Vom Hl. Beda Venerabilis, dem angelsächsischen Kirchenhistoriker, wissen wir, daß Suitbertus bei seinem Missionswerk hier am Niederrhein nicht sonderlich erfolgreich war: Das Gebiet, in dem Suitbertus hierzulande missionierte, erlebte während seiner Missionsarbeit einen Überfall der Sachsen, die die eben erst christianisierte Bevölkerung vertrieben und unserem Heiligen selber den Garaus machten. Die wilden Horden zertraten das gerade erst aufkeimende Pflänzchen seiner Mission und machten damit alle seine hoffnungsvollen Bemühungen schnell zunichte. Suitbertus war genötigt, sich nach den Verwüstungen hierhin auf die Rheininsel, den Werth, zurückzuziehen und auf eine ganz neue, günstige Gelegenheit zu warten, um die Saatkörner des Evangeliums doch noch in die Herzen unserer Vorfahren einzubringen.
Das sollte zur eigentlichen Feuerprobe seines Lebens werden: Mit einer Engelsgeduld das äußere Scheitern auszuhalten und neue Zeichen des Himmels abzuwarten, bis sein Stern von neuem aufleuchte und ihm doch noch den Weg zum Ziele zeige, sein Lebenswerk hier zu vollenden. Soweit wir wissen, waren ihm Erfolgserlebnisse in seiner Mission zu Lebzeiten nicht mehr beschert.
Suitbertus und seine Gefährten errichteten statt dessen hier ein erstes Kirchlein, wo sie die „stabilitas“ als Mönche miteinander lebten, was dann beharrliches Gottvertrauen und Standhaftigkeit auch in großer Bedrängnis meint. Er führte hier auf dem Werth im Kloster noch etliche Jahre ein „eingezogenes“ Leben, wie uns der Hl. Beda schreibt, was wohl zurückgezogene Beschaulichkeit in Gebet und Arbeit meint, das gelebte Mönchsideal von „Ora et labora“. Jedenfalls war der Hl. Suitbertus alles andere als ein Erfolgsmensch, der mit dem Kreuzstab in der Hand von einem Missionserfolg zum nächsten eilt, so wie es dann zeitweise der nächsten Generation angelsächsischer Wandermissionare unter dem Hl. Bonifatius vergönnt war, der 716, drei Jahre nach dem Tod des Hl. Suitbertus, seine Friesen-Mission aufnimmt.
Suitbertus ist der Heilige, der uns eine Engelsgeduld vorlebt, weil er auch im Mißerfolg sein Gottvertrauen nicht verliert, der nicht auf eigene Leistung setzt, sondern mit grenzenloser Langmut auf Gott selbst vertraut. Suitbertus läßt seinen Mut nicht sinken, sondern findet sich gehorsam ein in die Begrenzungen seines Lebens: Mit Feuereifer zog er wie ein Gipfel- oder Himmelsstürmer los, hochfliegende Ziele für Christus und die Kirche hierzulande zu erreichen; mit einer Engelsgeduld bescheidet er sich schließlich mit dem „kleinen Weg“ in einem geistlichen Basiscamp hier am Rhein, um günstigere Bedingungen und Zeiten für einen erfolgreichen Aufstieg mit seinem Missionskreuz abzuwarten. Das war sein ureigenes Martyrium, sein Glaubenszeugnis unter uns; er wurde zwar von den wilden Heiden nicht erschlagen wie dann der große Bonifatius, er wurde in die äußere Untätigkeit oder scheinbare Bedeutungslosigkeit verbannt, die schlimmer sein kann als ein blutiger Tod.
3. Feuereifer oder Engelsgeduld? – Was ist im Reiche Gottes letzten Endes segensreich und wichtig? Was tut uns selber heute not und was ist von uns selber hier und jetzt gefordert?
Natürlich ist Feuereifer segensreich und gut – und Erfolg ist allen wirklich heiligen Himmelsstürmern in unseren Kirchen nur zu wünschen. Denn wie soll der Zündfunke des Glaubens überspringen, wenn es an echter Gottes-Begeisterung fehlt?
Aber Feuerproben unsers Glaubens sind große Events und Erfolgsgeschichten in der Kirche alleine sicherlich noch nicht, besonders dann nicht, wenn sie einen selbst und andere blenden oder gar verblenden. Es gilt, was Martin Buber, der große jüdische Lehrmeister im Glauben, sagt: „Erfolg ist keiner der Namen Gottes!“ Die Feuerprobe unseres Glaubens ist vielmehr die Treue im Kleinen und Alltäglichen, das Durchtragen und Durchhalten voll Gottvertrauen in der Engelsgeduld, wie es uns der Hl. Suitbertus als sein unverwechselbares Testament und Zeugnis hinterlassen hat.
Während sich die einen mit der gottlosen Redensart: „Hoffen und Harren halten zum Narren!“ resigniert in Hoffnungs- und Tatenlosigkeit fallen lassen, setzen wahre Heiligen ihre Hoffnung allen Enttäuschungen zum Trotz unbeirrt auf Gott, der selbst das gute Werk vollenden wird, das er in uns begonnen hat (vgl. Phil 1, 6). Gott zu vertrauen, auf Gott in Geduld zu warten und auf ihn zu harren, ohne zu verzagen, alle Widerstände und auch Widerspenstigen im eigenen Leben geduldig wie die Engel auszuhalten, das ist das reife Glaubenszeugnis, das unseren Hl. Suitbertus rechtverstanden zu einem wahren Glaubenszeugen, zum „Martyrer“ in des Wortes ureigenster Bedeutung macht.
In unserer Basilika liegt für alle Besucher ein Missions-Gebet zum Hl. Suitbertus zur Mitnahme aus (aus der Feder von Dr. M. Becker-Huberti), das ich mir gern zu eigen mache und allen bei der Stadt-Mission empfehle:
„SUITBERT, Glaubensbote aus England,
Überbringer der Frohen Botschaft an Rhein, Ruhr und Lippe,
sei uns heute ein Beispiel und Vorbild
- an HOFFNUNG, das einmal richtig Erkannte
zur Richtschnur werden zu lassen;
- an GEDULD, die sich nicht von blankem Aktionismus
blenden läßt;
- an DEMUT, die uns zu Werkzeugen göttlichen Willens
werden läßt;
- an MUT, der die Risiken einschätzen
und Angst beherrschen kann;
- an UNBEIRRBARKEIT, die einen einmal eingeschlagenen Weg
auch bei Mißerfolgen durchhalten kann;
- an TREUE, die trägt, wenn alles bodenlos zu werden scheint,
- an KLUGHEIT, die mit Maß das Mögliche zu erreichen sucht.
Amen.“
H.J. Schmitz, Pfarrer
